• Helene Moll

Der Himmel und die Wolken


Als Achtsamkeitslehrerin werde ich oft gefragt, wie man es schaffen könne, nichts zu denken. Es ist ein viel verbreiteter Irrglaube, dass es bei Achtsamkeit und Meditation darum ginge, nichts zu denken. Dieser Irrtum setzt viele von Anfang an so unter Druck, dass sie an sich zweifeln und schnell wieder mit dem Meditieren aufhören. Also wieder einmal versagt haben, nicht gut genug waren. Deshalb ist es mir besonders wichtig, diesen Irrglauben aus dem Weg zu räumen. Ich beschreibe die Essenz der Achtsamkeit meinen Klienten gerne mit folgendem Bild:


Deine Gedanken sind wie Wolken am Himmel. Sie kommen und gehen. Schau in den Himmel. Dort siehst Du Wolken, mal mehr, mal weniger, mal kannst Du den satt blauen Himmel sehen, mal schimmert er nur an kleinen Stellen kurz durch, mal befindest Du Dich in einem regelrechten Wolken - Verhang, alles zu. So kann es auch in unserem Geist aussehen. Dicke dunkle Sorgen - Wolken, die uns die Seele schwer machen. Kleine feine Rüschchen - Wölkchen, rosa schimmernd, weil sie von Liebe und Schmetterlingen im Bauch erzählen. 


Egal wie vielfältig die Wolken sind, der Himmel dahinter ist immer der gleiche. Das ist das wichtige zu erkennen. Die Wolken sind nicht Du, sie kommen und gehen, verändern sich ständig, Du kannst gewiss sein, dass sie nie für immer bleiben, sondern wieder ziehen. Der Himmel, das ist das, was bleibt, wenn Du Dich nicht mit den Wolken, deinen Gedanken, identifizierst, sondern weißt, dass es nur Gedanken sind und nicht die Realität. Wenn Du das wirklich begreifst und verinnerlichst (das ist eine Erkenntnis und Geisteshaltung, die man durch die Techniken der Achtsamkeit üben kann), dann machen Dir Deine Gedanken auch nicht mehr das Leben schwer. Du distanziert Dich von ihnen anstatt Dich mit ihnen zu identifizieren und in Angst und Panik bringen zu lassen. Zusammen mit Vertrauen und Selbstvertrauen wirst Du gelassener und stärker und lässt Dich nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen. 


Es ist unmöglich, nichts zu denken! Und es ist auch nicht die Absicht von Achtsamkeit. Wir können unseren Verstand nicht ausschalten (und er ist ja auch sehr nützlich und gut). Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was ist. Hier und Jetzt. Dazu gehören auch die Gedanken, neben unseren Körperempfindungen, Wahrnehmungen und Gefühlen. Es geht bei der Achtsamkeit darum, das, was ist, bewusst wahrzunehmen, ohne es zu bewerten oder verändern zu wollen. Du musst die Wolken nicht wegschieben oder sie verändern. Denn Du weißt, sie ziehen von selbst wieder vorbei oder lösen sich auf, denn sie sind nicht von Dauer. Damit schenkst Du ihnen gar nicht erst die nötige Aufmerksamkeit, um sich zu größeren, Angst einflössenden Wolken zu manifestieren. 

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